_MG_0884 - II

Jens Neumann







1976 wurde ich in Löbau in Sachsen geboren. Dreizehn Jahre Kindheit in der DDR bedeuteten für mich vor allem eine wunderbare Zeit. Mit den Plänen zur Ausreise, den ersten Demonstrationen 1989 und der Umsiedlung im selben Jahr in das westfälische Herford - war ich aus dem Tal der Ahnungslosen, durch den historischen Wirbelsturm in den goldenen Westen geworfen worden. Nach Kulturschock, Realschule und Abitur folgten verschiedene Reisen (Afrika) und 18 Monate Friedensdienst im Nordirischen Derry/Londonderry. Während der Arbeit mit den verfeindeten Jugendlichen protestantischer und katholischer Herkunft begegnete ich dem Theater. Nun begann ich das viereinhalbjährige internationale Theaterstudium an der Theaterakademie Utrecht in den Niederlanden. Dort arbeitete ich zwei Jahre als freischaffender Regisseur. Nach weiteren Reisen (Nordamerika und Afrika) zog ich nach Berlin, wo ich seitdem tätig bin.
Ich bin Theaterregisseur, der auch als Schauspieler und Filmemacher tätig ist. Meine Arbeiten sollen anregen– zum Nachdenken, zum Weiterdenken, zum Umdenken. Dramaturgisch ist es mir wichtig, dass die Zuschauer gefangen und gefesselt werden, ihnen dabei aber trotzdem genügend Raum für eigene Gedanken bleibt. In meinen bisherigen Arbeiten gibt es zwei Themenstränge, die sich immer wieder neu verbinden lassen: Das sind zum einen die großen philosophischen Fragen um die „condition humaine“ wie Liebe, Hass, Identität, Tod und Transzendenz. Zum anderen aktuelle gesellschaftliche und politische Konflikte. Ich verstehe mich als Künstler, der sich nicht scheut, zu bestimmten aktuellen Themen eindeutig Position zu beziehen. Daher beschäftigen sich meine Stücke zum Beispiel auch mit Arbeitslosigkeit, Generationenkonflikt und Fremdenfeindlichkeit.


AUSBILDUNG